Neue Impulse aus dem KRAFTRAUM MITTELSTAND – Episode 2
Digitalisierung ist kein IT-Projekt – und warum scheitert der Mittelstand daran?
In der zweiten Folge sprechen Podcast-Hosts Irene Schönmann und Markus Lievenbrück mit Martina Bruder, Expertin Leadership und Transformation über ein Thema, dass in jedem Unternehmergehirn herumgeistert, aber in viel zu wenigen Firmen wirklich verankert ist: Digitalisierung als Führungsaufgabe.
Mit 35 Jahren Erfahrung in Medienunternehmen, davon 25 Jahre als Geschäftsführerin oder CEO, bringt Martina eine einzigartige Perspektive mit. Sie hat Transformation nicht nur aus PowerPoint-Charts gelernt, sondern aus echten Umbrüchen, aus Widerstand, Erfolg und ganz viel Scheitern. Sie denkt und handelt mittelständisch – auch im Konzern.
Die zentralen Themen der zweiten Folge:
👉 Der große Denkfehler: Digitalisierung wird oft wegdelegiert zur IT-Abteilung, zu externen Dienstleistern oder sogar zu Praktikanten. Aber ist Digitalisierung wirklich nur ein Tool- oder Softwareprojekt?
👉 Warum der Mittelstand scheitert: Obwohl ein Drittel der Innovationsleistung in Deutschland aus dem Mittelstand kommt und 35 Prozent der F&E-Investitionen durch den Mittelstand finanziert werden – an Mut und Innovationsfreude liegt es nicht.
👉 Das Machertum-Problem: Der Mittelstand ist extrem aufs operative Geschäft konzentriert. Genau hier liegt die Herausforderung bei der digitalen Transformation.
👉 Führung in der Transformation: Wie schaffe ich es als Geschäftsführer, alle mitzunehmen? Welche Haltung braucht es wirklich? Und warum ist Glaubwürdigkeit der Schlüssel zum Erfolg?
👉 Die ersten 100 Tage: Martinas konkreter Fahrplan: Was würde sie tun, wenn sie morgen einen 20-Mann-Betrieb mit Aktenschränken und Schriftmappen übernehmen würde?
„Der Mittelstand ist extrem aufs Machertum, aufs operative Geschäft konzentriert und nimmt sich selten die Zeit, zurückzutreten, um strategische Veränderungen mit der nötigen Aufmerksamkeit zu planen.“
Digitalisierung ist Chefsache – nicht IT-Aufgabe
„Digitalisierung ist kein IT-Projekt" – dieser Satz trifft ins Schwarze. Zu oft wird die digitale Transformation als technisches Problem behandelt, das man mal eben an die IT-Abteilung delegieren kann. Doch Martina Bruder macht deutlich: Es geht um Unternehmensführung, um Mindset und um Haltung.
Der deutsche Mittelstand hat alle Voraussetzungen für erfolgreiche Digitalisierung. Die Zahlen sprechen für sich: Ein Drittel der deutschen Innovationsleistung stammt aus mittelständischen Unternehmen, 35 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen werden vom Mittelstand finanziert. Am Mut liegt es definitiv nicht. An der Innovationsfreude oder Veränderungsbereitschaft auch nicht.
Wo liegt dann das Problem? In der extremen Fokussierung aufs Machertum, aufs operative Geschäft. Mittelständler sind Macher – das ist ihre Stärke und zugleich ihre größte Herausforderung bei der Digitalisierung. Denn digitale Transformation braucht strategisches Denken, langfristige Planung und vor allem: die bedingungslose Unterstützung der Geschäftsführung.
Die Kraft der Glaubwürdigkeit
Was trennt erfolgreiche von gescheiterten Digitalisierungsprojekten? Glaubwürdigkeit. Die Mitarbeiter müssen spüren, dass die Geschäftsführung zu 100 Prozent hinter der Transformation steht. Nicht nur strategisch, sondern auch in der operativen Umsetzung. Es reicht nicht, die Digitalisierung zu verkünden – man muss sie leben.
Martina beschreibt es treffend: „Die Leute müssen sehen, dass das, was man sagt, auch gemeint ist und dass man das lebt und macht." Es geht darum, mit ganzer Seele und dem ganzen Wollen hinter dem Erfolg der Digitalisierung zu stehen – und das spürbar zu machen.
Der Mittelstand hat hier einen entscheidenden Vorteil gegenüber Konzernen: Nähe zu den Mitarbeitern. Geschäftsführer kennen ihre Leute persönlich, wissen um deren Sorgen und können direkt kommunizieren. Diese Nähe ist Gold wert – wenn sie richtig eingesetzt wird.
„Die Leute müssen sehen, dass das, was man sagt, auch gemeint ist und dass man das lebt und macht.“
Der Fahrplan für die ersten 100 Tage
Martinas Antwort auf die Frage, wie sie bei einem 20-Mann-Betrieb mit Aktenschränken vorgehen würde, zeigt den Weg auf:
Schritt 1: Mit jedem einzelnen reden – und zwar wirklich mit jedem. Damit sich alle ernst genommen fühlen und spüren, dass es ernst gemeint ist.
Schritt 2: Change Agents identifizieren – Wer sind die Veränderungsträger im Unternehmen? Wer kann begeistert werden oder begeistert bereits? Diese Menschen müssen versammelt und zusammengebracht werden.
Schritt 3: Gemeinsam gestalten – Digitalisierung ist kein Projekt mit klassischem Anfang und Ende. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, der alle mitnehmen muss.
Natürlich erfordert dieser Weg Mut. Mut, sich nicht nur auf bewährte Prozesse zu verlassen, sondern auch neue Wege zu gehen. Mut, in der Führung nicht nur zu verkünden, sondern auch vorzuleben. Viele Mittelständler sind technologisch hochinnovativ, versäumen es aber, diese Innovation auch in der Unternehmensführung zu leben.
Die Zukunft gehört den Mutigen
Am Ende steht die Erkenntnis: Digitalisierung ist Chefsache. Sie kann nicht delegiert oder als Nebenprojekt behandelt werden, sondern muss strategisch und mit vollem Engagement angegangen werden. Es geht nicht darum, ob jemand eine bestimmte Software schön findet, sondern darum, wie sich ein Unternehmen klar und zukunftsfähig aufstellt.
Wer diesen Weg geht, stärkt nicht nur seine Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch seine Attraktivität für Kunden, Mitarbeiter und die nächste Generation. Der deutsche Mittelstand hat alles, was es für erfolgreiche Digitalisierung braucht – Mut, Innovationskraft, Nähe zu den Menschen und langfristiges Denken. Jetzt ist es an der Zeit, diese Stärken sichtbar zu machen und zu leben.
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